Jahresausklang

Keine Sorge, in diesem Post wird es keinen kitschigen Jahresrückblick geben oder über die Vorsätze für das nächste Jahr gehen. Lieber will ich euch darüber berichten, was in den letzten Wochen hier so abging.

Der letzte Schultag war hier am 16.12. Bis dahin wurde noch fleißig gelernt und unterrichtet. Dennoch sollte kurz vor den Ferien auch der Spaß nicht zu kurz kommen. So gab es z.B. für die Schüler*innen und Lehrkräfte in der letzten Woche die Möglichkeit in Weihnachtspyjamas zur Schule zu kommen oder sich in weihnachtlichen Farben anzuziehen. Diese Kleinigkeiten sorgten dafür, dass bei allen ein bisschen mehr Weihnachtsstimmung aufkam und die Vorfreude auf die Ferien stieg. Der letzte Schulalltag startete in der Unter- und Mittelstufe dann mit einem großen Kahoot Quiz an dem alle Schüler*innen teilnehmen konnten. Kurze Randnotiz für alle, denen Kahoot kein Begriff ist: Kahoot ist eine spielbasierte Internetplattform mit dem man kleine Quiz erstellen kann, welche Schüler*innen dann interaktiv und in Echtzeit im Klassenraum an ihrem Handy spielen können. Die Fragen für unser Quiz wurden von den Lehrkräften gestellt und die Schüler*innen hatten sehr viel Spaß und die Spannung war bis zuletzt groß. Der Tag wurde dann auch festlich mit einem großen Weihnachtsbingo beendet, bei dem die Schüler*innen die Möglichkeit hatten noch ein paar Süßigkeiten für die Ferien abzustauben. Auch wenn sich meine Begeisterung für Bingo in Grenzen hält, konnten die Schüler*innen gar nicht genug bekommen und hatten damit einen schönen Schlusspunkt für dieses doch sehr andere und dadurch teilweise stressigere Schuljahr. 

Großes Kahoot Quiz

Lebkuchenhäsuer in the making...
 

Im Kollegium beendeten wir das Schuljahr auch auf unsere eigene Art. Ein paar Wochen vor den Ferien durften alle, die Lust hatten, ihren Namen in einen großen Pott werfen. Aus diesem durfte dann jeder wieder einen Namen ziehen, damit gewichtelt werden konnte. Wichteln wurde hier aber auf ein ganz anderes Level gehoben. Zusätzlich zu der klassischen Tradition, dass man seiner Person ein kleines Geschenk besorgen muss, musste man dieser Person in den Wochen vor dem letzten Schultag auch auf möglichst mysteriöse und geheimnisvolle Art und Weise drei Hinweise zukommen lassen, die der Person dabei helfen sollten, heraus zu finden wer ihr "Secret Santa" ist. Am Tag der Enthüllung kamen dann alle zusammen und schon beim Ankommen gab es ein paar geschockte Gesichter, da einige in den Tagen zuvor ein großes Geheimnis darüber gemacht hatten, ob sie überhaupt mitspielen würden oder nicht. Kleine oder größere Psychotricks gehörten also sehr wohl zum Repertoire der Secret Santas. Anschließend wurde reihum gegangen und nacheinander musste jeder seine Hinweise vorstellen und anschließend raten, wer den der jeweilige "Secret Santa" war. Lag man falsch (so, wie ich beim ersten mal :)) dann wurde weitergegangen und man musste auf seine nächste Chance warten. Ich fand dieses Spiel eine super coole Idee, da es dafür sorgte, dass jeder in den letzten, stressigen Wochen vor den Ferien doch nochmal eine kleine, spaßige Ablenkung hatte. Lustig war außerdem, dass ich zeitweise der Verdächtige einiger Kolleg*innen war, da die Hinweise oftmals mit S.S. (Secret Santa) unterzeichnet wurden, was viele als Hinweis für "Simon Spengler" werteten...

Seit dem 16.12 ist es aber dementsprechend ruhiger geworden. Zwar sind noch einige Internatsschüler*innen auf dem Campus, da sie durch Corona nicht nach Hause konnten, aber die Stimmung ist sehr entspannt. Für die Schüler*innen gibt es genug Programm, an dem wir House parents natürlich auch teilnehmen können. So haben wir schon ein paar Mal Volleyball zusammengespielt oder auch ein Badmintonturnier veranstaltet. Man sieht also, dass es hier an der King's-Edgehill School selten langweilig wird. Dennoch habe auch ich die Ferien bisher dazu genutzt, um ein bisschen zu entspannen und auch mal wieder richtig auszuschlafen ('lach').


Auch die Feiertage waren dann sehr entspannt und schön. Freundlicherweise wurde ich von Freunden und derer Familie eingeladen, zusammen Weihnachten zu verbringen. Insgesamt haben wir dann zu zehnt gefeiert, was in Deutschland wohl verrückt klingen mag, hier aber mit den geringen Coronazahlen gerade noch möglich ist. Zusammen haben wir dann ausgiebig gegessen und einige Spiele gespielt. Besonders spaßig war, dass wir an Heiligabend verschiedene Minispiele gespielt haben, bei dem die Gewinner immer etwas mehr oder weniger Abstruses aus dem 1€-Shop bekommen hatten und zusätzlich dazu noch ein Lottoticket. Daher ging jedes Mal, nachdem jemand sein Geschenk auspackte und ein Lottoticket fand, ein großes "A LOTTERY TICKET" durchs Haus und alle guckten gespannt, ob es einen großen Gewinn gab - leider ist niemand von uns nun ein Millionär... Obwohl Weihnachten hier dieses Jahr durch Corona natürlich auch irgendwie anders war, waren es für mich dennoch sehr schöne Feiertage.

Zu guter Letzt möchte ich euch noch auf einen Film aufmerksam machen, der mir von meiner Tante (vielen Dank nochmal an dieser Stelle) empfohlen wurde. Bei diesem geht es nämlich um "environmental racism" in Nova Scotia, also dem Bundesstaat, in dem ich hier lebe. "Environmen.."-Was? Bei "environmental racism" geht darum, wie umweltschädliche Auswirkungen häufig einen rassistischen Kontext haben, da in vielen Fällen Minderheiten von Problemen dieser Art betroffen sind. 

Der Film "There's something in the water" von Elliot Page thematisiert genau dieses Problem. Er ist auf Netflix frei verfügbar und meiner Meinung nach unbedingt sehenswert, da er das Problem sehr gut greift und zusätzlich dazu die ganzen Grausamkeiten, die damit verbunden sind, schonungslos wiedergibt. 

Obwohl ich durch den Austausch mit Kolleg*innen bereits von diesem Problem gehört hatte, hat mich die Dokumentation dennoch sehr mitgenommen und bewegt. Besonders, da man meiner Meinung nach aus einer Außenperspektive, Kanada fast ausschließlich mit positiven Aspekten verbindet und man im Gegensatz zu den USA, eher weniger von rassistischen Problemen mitbekommt. Und obwohl ich sagen muss, dass der Großteil der Menschen, die ich bisher hier kennen gelernt haben, sehr offen, tolerant und progressiv sind, ist dies ein gravierendes Problem, was mehr Öffentlichkeit verdient. Besonders hängen geblieben ist bei mir der Satz zum Ende "Canada is not a nation. Canada is a corporation."

Wenn ihr also Zeit und Interesse habt, dann schaut ruhig mal rein. Ansonsten wünsche ich Euch allen einen guten Start in das kommende Jahr 😊

Simon says: "Happy New Year"  

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