Time to Say Goodbye

Zunächst einmal die wichtigsten Informationen zuerst: nach dem Lockdown sowie dem positiven Corona-Fall an der Schule und der daraus entstehenden Isolation, kamen alle Testergebnisse negativ zurück und nach zwei Wochen durften wir alle wieder unsere Wohnungen verlassen. Seitdem hat sich die Lage im Bezug auf Corona allgemein wieder sehr entspannt. Am Montag gab es in Nova Scotia zum ersten Mal seit Monaten wieder keinen einzigen Fall, sodass Gastronomien, Läden, etc. jetzt langsam wieder zu normalen Kapazitäten zurückkehren und man sich darüber hinaus mit kleineren Menschengruppen ohne Probleme treffen kann. Gemischt mit dem Sommerwetter der letzten Wochen, hat das in der ganzen Provinz für positive Stimmung gesorgt und die Beschwerden der vergangenen Wochen in den Hintergrund gerückt.

Ansonsten standen die vergangenen Wochen, sowie die kommenden, unter dem Motto „Auf Wiedersehen“. Bis Anfang Juni ging es mit dem Onlineunterricht weiter. In der letzten Woche ging es dann mit den Verabschiedungen und Feierlichkeiten los. So hatten wir beispielsweise die jährliche Sports Gala und Arts Gala, bei denen Schüler*innen für ihre sportlichen und künstlerischen Fähigkeiten gewürdigt wurden und es verschiedene Reden gab.

Es war sehr schön zu sehen, wie die Lehrkräfte gemeinsam mit Schüler*innen es doch geschafft haben, das Jahr auf eine besinnliche Art und Weise zu beenden und einen gemeinsamen Abschluss zu finden. Häufig wurden Videos erstellt und anschließend gab es gemeinsame Videokonferenzen. So hatte jeder nochmal die Möglichkeit, einander zu sehen und sich voneinander zu verabschieden. Für mich war besonders die letzte Vollversammlung der Junior School (6-9 Klasse) besonders. All meine Klassen habe ich in der Junior School unterrichtet und hatte dadurch zu vielen Schüler*innen einen engen Draht und viele Erinnerungen, die ich über das Jahr gesammelt habe. Im letzten Zoom Meeting wurde ich dann mit einer wunderschönen Präsentation der Junior School Direktorin überrascht, welche paar der Highlights meines Jahres zusammenfasste. Bereits zu diesem Zeitpunkt war das ganze sehr emotional für mich. Als dann allerdings die Schuldirektorin „das Mikro“ an eine meiner Schülerinnen weiterreichte, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Auf der einen Seite war es zwar irgendwie komisch vor einem Computer, alleine im Zimmer, ein paar Tränen zu verdrücken, auf der anderen Seite war es aber ein sehr schöner Abschluss für mich und eine gute Möglichkeit alle nochmal zu sehen.

Nachdem die Fallzahlen in den letzten Wochen stetig gesunken sind, gab es dann allerdings auch nochmal die Möglichkeit eine Art Abschlusstreffen aller Lehrkräfte und Angestellt*innen der Schule zu haben. Obwohl die Treffen online besser waren als keine Treffen, war es nochmal extrem schön, alle Menschen, mit denen ich im vergangenen Jahr arbeiten durfte, persönlich zu sehen und mich somit von ihnen zu verabschieden. Darüber hinaus hielt einer meiner Kollegen und Freunde dann auch noch eine kleine Abschiedsrede, was das ganze natürlich noch schöner machte. Insgesamt kann ich mich wirklich glücklich schätzen, in so einem offenen, herzlichen und hilfsbereiten Umfeld gearbeitet zu haben. Am Ende fühlte es nicht so an, als wenn ich die meisten erst seit einem Jahr kennen würde, sondern mit ihnen schon lange zusammengearbeitet habe. Besonders schön war es für mich, dass meine Meinungen zu bestimmten Themen oder Schüler*innen immer ernst genommen und respektiert wurden, und nicht so getan würde, als wenn man als „Neuer“ und „Person, die nur ein Jahr hier ist“ nicht zu sagen hätte. In den nächsten zwei Wochen gehen die Verabschiedungen dann weiter. Ich werde die Zeit nutzen, um Freunde und Kolleg*innen zu treffen und mit ihnen die freie Zeit zu genießen.

Ansonsten heißt es auch mich von Nova Scotia, einem wunderschönen Ort, zu verabschieden. Es wäre zwar gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht auch gerne mehr von Kanada gesehen hätte, allerdings bin ich mittlerweile an einem Punkt, wo ich mich damit ganz gut abfinden kann. Dies hat zum großen Teil damit zu tun, dass ich auf der einen Seite einfach die Zeit hier mit Freunden genieße und darüber hinaus, dass Nova Scotia selbst einiges zu bieten hat. So ist ein Vorzug hier zu leben, dass man sich nur ins Auto setzen muss und in kürzester Zeit an verschiedenen Seen oder coolen Wanderwegen ist. Dadurch, dass hier zudem nicht allzu viele Menschen hier leben, sind diese dann meistens auch nicht überfüllt. Ganz im Gegenteil, in den letzten Tagen waren wir meist die einzigen an den verschiedenen Orten.

 





Darüber hinaus hatte ich dann auch die Möglichkeit eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Provinz und einer der meist fotografierten in ganz Kanada zu besuchen: Peggy’s Cove. Dabei handelt es sich um einen Bilderbuch Leuchtturm an der Küste. Wir hatten sogar das Glück, dass das Wetter an unserem Tag sehr gut und klar war, da es normalerweise schnell neblig ist und die Sicht damit leicht bedeckt ist. Anschließend kam ich dann nochmal in den vorzüglichen Geschmack eines Beaver Tails (Bieberschwanzes). Beaver Tails sind eine der bekanntesten Backwaren Kanadas. Teig wird frittiert und anschließend so ausgrollt, dass es wie der Schwanz eines Biebers aussieht. Dann kommen je nach Vorliebe süße oder herzliche Zutaten drauf. Selbst Barack Obama hat bei seinem ersten Besuch in Kanada einen kurzen Stopp gemacht, um einen Beaver Tail zu genießen. 




In den nächsten Tagen stehen jetzt noch weitere Wanderungen, Seeausflüge, Kajakfahrten, etc, an! Und dann heißt es am 7.7 auch wieder: „Hallo Deutschland!“. Obwohl es mir natürlich nicht einfach fällt, diesen schönen Ort hier hinter mir zu lassen und mich von meinen Freunden zu verabschiedenden, freut es mich umso mehr, wieder alle Bekannten Gesichter wieder zu sehen.

Simon says: „Enjoy the summer and eat a Beaver Tail when you are in Canada!”.

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