Eine Menge Spirit und Schnee

Erster Post des Jahres? Im Februar? Ups… Ich kann zwar nicht jeden Blogpost mit einem „Sorry“ beginnen, aber dennoch tut es mir leid, dass ich so lange auf ein Update von mir hab warten lassen. Eine richtige Ausrede dafür gibt’s nicht, darum will ich auch gar nicht lange um den heißen Brei reden, sondern lieber direkt zu den Ereignissen der letzten Wochen kommen:

Der Start ins neue Kalenderschuljahr verlief sehr gut und meine Tätigkeit als Lehrkraft hier macht mir weiterhin sehr viel Spaß und bereitet mir viel Freude. Ein Teil meines Alltags hat sich jedoch seit dem neuen Jahr stark verändert. Nach der Schule bin ich nun als Skicoach aktiv. Alle, die mich kennen, werden sich jetzt fragen: „Simon und Skifahren und dann auch noch als Coach – wie passt das denn zusammen? Diese Frage ist insofern zutreffend, dass ich das letzte Mal in der 9. Klasse Skifahren war und dies dementsprechend lang her ist.

Vielleicht sollte ich aber erstmal erklären, um was es sich bei meiner Rolle als „Skicoach“ genau handelt, da der Begriff sehr viel ernster klingt, als es in der Realität der Fall ist. Ab Januar bietet die Schule den Schüler*innen Skifahren und Snowboarden als Wintersport an. Dafür fahren wir täglich nach der Schule zu einem kleinen Skigebiet, was ca. 10 Minuten von der Schule entfernt ist. Die Schüler*innen konnten bei ihrer Wahl entscheiden, ob sie Teil des Varsity Teams werden wollten, also dem Team, was sich für Wettkämpfe vorbereitet und in dem die Schüler*innen ihre Technik verbessern können, oder dem Recreational Team. Dieses ist für alle, die entweder zum ersten Mal Ski- oder Snowboardfahren oder für die, die das ganze eher aus Spaß machen. 



 

Ich bin für Letzteres zuständig. Nun zu meiner Rolle: meine Aufgaben bestehen darin sicherzustellen, dass alle Schüler*innen im Bus zum Skigebiet sitzen, zu schauen, dass während wir da sind, die Schüler*innen nicht nur in der Lodge sitzen, sondern wirklich dem Sport nachzugehen und anschließend wieder sicherzustellen, dass jede*r, der/die auf dem Hinweg im Bus war auch wieder auf dem Rückweg anwesend ist. Und sonst? Nö, das war’s. Für die Anfänger*innen sind professionelle Skilehrkräfte zuständig und die anderen Schüler*innen sind erfahren genug, um auf sich selbst aufzupassen. Im Endeffekt bedeutet dies, dass ich täglich rund anderthalb Stunden hab, in denen ich einfach Skifahren oder eine Tasse heiße Schokolade in der Lodge genießen kann. Dass das Skigebiet sehr überschaubar ist (siehe: Martock), ist perfekt für mich, da ich sehr schnell und leicht wieder in die Routine kam und mittlerweile sehr viel Gefallen am Skifahren entwickelt habe. Darüber hinaus stellt das tägliche Skifahren für mich eine äußerst schöne und abwechslungsreiche Alternative zum normalen Schulalltag statt. Da es in den letzten Wochen vermehrt geschneit hat und die Temperaturen konstant unter 0 sind, verbringt man deutlich mehr Zeit drinnen. Die Zeit auf dem Skigebiet ist daher besonders schön, da man Zeit draußen an der frischen Luft verbringt. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Tätigkeit in den nächsten Wochen langweilig wird… 😊 Ende Januar hatten wir außerdem ein paar Tage frei (sogenannter Midterm break – also Halbjahrsferien), die ich dafür genutzt habe mit der Schule und einigen Schüler*innen in ein anderes Skigebiet zu fahren. Die Zeit dort war ebenfalls sehr entspannt und schön.




Obwohl sich die gesamte Situation hier mit viel Schnee, Skifahren und den weiterhin sehr geringeren Coronafallzahlen zwar paradiesisch anhört, bringt die kalte Jahreszeit und der normale Alltagstress dann doch manchmal eine gewisse Stimmung von grauem Alltag mit sich her. Um Abwechslung in den normalen Schulalltag zu bringen und die Gemüter der Schüler*innen aufzubessern, hatten wir daher hier an der Schule die jährliche Spirit Week.

Während dieser Woche ist jeder Tag einem anderen Motto gewidmet und insgesamt steht der Schulzusammenhalt und das Miteinander im Vordergrund. Die Woche startete dementsprechend mit dem Zwillinge oder Vielfache-Tag. An diesem Tag ging es darum, ein Outfit mit einer oder mehreren anderen Personen auszuwählen, welches aufeinander abgestimmt ist. Leider ist der Tag einem Schneesturm zum Opfer gefallen, was dafür sorgte, dass der Unterricht zum größten Teil über Zoom stattfand. Ein Schneesturm konnte das Kollegium jedoch nicht daran hindern, sich nicht trotzdem dem Motto entsprechend anzuziehen. 

Der Dienstag stand dann komplett unter dem Motto „Kultur“. Der Dresscode an dem Tag war sein Heimatsland oder seine Kultur widerzuspiegeln. Von kanadischer Seite gab es daher einige Holzfäller und Icehockeyspieler zu bewundern. Als ich das erste Mal von diesem Tag erfuhr, fragte ich mich, wie ich mich „deutsch“ anziehen könnte. Lederhosen hatte ich schließlich nicht und ein Deutschlandtrikot auch gerade nicht zur Hand… Nach einiger Überlegung und guten Tipps aus der Heimat fiel meine Wahl schließlich darauf eine Region von Deutschland zu repräsentieren, in der ich einen Großteil meines Lebens verbracht habe: das Ruhrgebiet. Und was ist typisch für das Ruhrgebiet? Richtig, die Kohlenindustrie. Daher besorgte ich mir einen Helm, einen Werkzeuggürtel und andere Utensilien und fertig war das Outfit. Zwar wurde ich an dem Tag relativ häufig gefragt, was ich genau darstellen solle (selbst von einigen der deutschen Schüler*innen hier), aber insgesamt kam das Outfit sehr gut an und sorgte für einige Lacher. Lustigerweise dachten sogar einige, dass ich eine bestimmte Region hier in Kanada vertreten würde, da auch dort die Kohleindustrie sehr groß war. 


Das Highlight dieses Tages fand dann am Nachmittag statt: die Cultural Fair. Bei dieser haben alle Schüler*innen die Möglichkeit ihr Land oder ihre Kultur in Form von kleinen Vorführungen vorzustellen. Die Bandbreite war hierbei einzigartig, bunt und abwechslungsreich. So gab es Tänze zu Afrobeats und K-Pop, Lieder auf Mandarin, Japanisch und Ukrainisch und auch von kanadischer Seite wurde ein wunderschöner Sea Shanty vorgetragen. Von deutscher Seite gab es außerdem eine energetische Tanzperformance im Après Ski Style, was für viel Begeisterung sorgte. Diese Show untermalte nicht nur nochmal wie viel kulturelle Diversität an dieser Schule zu finden ist, sondern auch, dass jede*r Raum dafür bekommt, diese zu zeigen. Jeder Act wurde mit viel Applaus gewidmet und die Zuschauer*innen kamen voll und ganz auf ihre Kosten.

Am Mittwoch stand dann der Jersey Tag an. In diesem Fall musste ich natürlich nicht eine Sekunde darüber nachdenken, welches Trikot ich anziehen würde. Gibt ja schließlich nur eine richtige Antwort in diesem Fall, oder? 💚

Am Donnerstag fand dann der sogenannte Winter Carnival statt. Bei diesem treten die Tagesschüler*innen, die verschiedenen Wohngemeinden und auch die Lehrkräfte in verschiedenen kleinen Wettkämpfen gegeneinander an. Die meisten davon finden draußen im Schnee statt, von dem es in den letzten Wochen mehr als genug gab. Unter anderem wurde im Schneeschuhwettlaufen, Schlittenfahren und Tauziehen gegeneinander angetreten. Dieser Tag war perfekt für die Schüler*innen, um den ganzen Alltagstress mal für einen Tag zu vergessen und einfach gemeinsam Spaß zu haben. Besonders toll fand ich hierbei wieder einmal, wie so gut wie alle Lehrkräfte auch engagiert bei der Sache waren, was die Schüler*innen natürlich ebenfalls anspornte. Nach den zahlreichen Wettkämpfen endete der Tag dann mit einer Zaubershow für die jüngeren und mit einer Hypnoseshow für die älteren Schüler*innen. 

Der letzte Tag der Woche trug dann das Motto „Valentinstag“, weshalb alle Schüler*innen sich in rot, pink oder lila anziehen sollten. Zusätzlich konnte man bei den Abiturient*innen entweder Süßigkeiten oder auch Songs für andere Personen bestellen. Songs? Richtig, Songs. Die Schüler*innen gingen an dem Tag von Klassenraum zu Klassenraum und performten verschiedene Liebes- oder andere Songs für die jeweils ausgewählte Person. Eine wirklich coole Idee, um ein bisschen Geld in die Abiballkasse zu spülen. Insgesamt merkte man den Schüler*innen eine gewisse Müdigkeit nach so einer ereignisreichen Woche an, zeitgleich konnte man jedoch auch spüren, dass allen diese Abwechslung gutgetan hat und das Ziel der Spiritweek somit erreicht wurde. 





Dickes, fettes Dankeschön

Enden möchte ich diesen Post mit einem ganz großen DANKESCHÖN. Dieses Dankeschön geht an alle meine Freunde und meine Familie, die mich während der Zeit im Ausland und auch schon bei meinen vergangenen Auslandsaufenthalten unterstützt haben. Egal, ob es eine kurze Nachricht auf Whatsapp ist oder ein längerer Videogespräch, die Gewissheit zu haben, dass Menschen zu Hause an einen Denken und einem dabei unterstützen, was man macht, ist unbeschreiblich und enorm wichtig. Wenn dann sogar noch ein gemeinsames Weihnachtspaket von Freunden aus Deutschland mit ganz verschiedenen kleinen Nettigkeiten Mitte Januar (Verspätung aufgrund von Corona – Schifftransport, etc.), ist die Freunde natürlich riesig. Auch, wenn ein bisschen Wasser zwischen uns ist und man sich aufgrund von Corona gerade eh nicht zu nah kommen soll, fühle ich mich ganz eng mit euch allen verbunden. Vielen, vielen Dank dafür. Als Dankeschön sollte ich eigentlich versprechen, dass der nächste Post schneller kommt, abeer you know...


 

Simon says: "Thank you for everything!"

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