Corona, du nervst...

Corona hier, Corona dort und jetzt auch hier... 

Da man momentan eigentlich kein Gespräch führen kann, indem Corona nicht zwangsläufig irgendwann vorkommt, wollte ich dem Thema eigentlich nicht noch mehr Aufmerksamkeit widmen und stattdessen lieber über meinen Alltag hier berichten. Da die ganze Situation jedoch so omnipräsent ist und natürlich auch großen Einfluss auf den Schulalltag hier hat, kann ich dem Ganzen nicht komplett entgehen. Besonders in der vergangenen Woche gab es hier nämlich ein paar mittelgroße Änderungen, aber dazu später mehr...

Darüber hinaus will ich auch direkt am Anfang klarstellen, dass dies kein "Corona ist scheiße, darum sind die Regeln auch scheiße" oder "Ich glaube nicht an die ganzen Maßnahmen"-Post a la Querdenker*innen ist. Ich möchte lieber ein bisschen darauf eingehen, wie die Situation mit Corona hier an der Schule ist, wie Schüler*innen, Lehrkräfte und auch ich damit umgehen und was sonst so in meinem Kopf vorgeht...

Zunächst einmal sollte ich wohl sagen, dass die Situation hier, gemessen an den Fällen, noch einigermaßen entspannt ist. So hält sich die Anzahl neuer Fälle eigentlich beständig im einstelligen Bereich und bewegt sich meistens zwischen gar keinen Fällen oder nur eins bis zwei Fällen. Im Vergleich zu Deutschland hört sich dies wahrscheinlich wie Himmel auf Erden an. Ich persönlich kann auch sagen, dass ich mich hier momentan sehr sicher finde und mich nicht ein ständiges Unwohlsein oder Gefühl von Vorsicht begleitet. Dennoch gibt es hier weiterhin die gängigen und vernünftigen Corona Maßnahmen, wie das Tragen einer Maske oder social distancing. 

Well, das hatte ich noch vor gut anderthalb Wochen geschrieben und wohl kurz vergessen, wie schnell sich die Lage in einer Pandemie ändern kann, denn: 

In der vergangenen Woche hat sich die Lage ein bisschen verändert. Zwar sind die Fallzahlen immer noch relativ gering, aber dennoch hat sich Zahl, im Vergleich zu den vergangenen Wochen, stark verändert. So lagen die Zahlen in den letzten Tagen häufig im Bereich zwischen 10 und 20 und an einem Tag sogar bei 37 neuen Fällen, was seit dem Beginn der Pandemie den fünf höchsten Anstieg der Fallzahlen bedeutete. Ich kann es an dieser Stelle nur nochmal sagen: natürlich liegen diese Zahlen momentan weit unter dem Durchschnitt in Deutschland. Dennoch muss man auch bedenken, dass in Nova Scotia deutlich weniger Menschen leben (knapp 970.000 Einwohner*innen). Daher hatte der Anstieg der Fallzahlen und auch die Folge von einzelnen Fällen an Schulen, weitreichende Folgen. 

Relativ früh in der Pandemie hatten sich die Bundestaaten um Nova Scotia - New Brunswick, Newfoundland und Prince Edward Island - nämlich zu der sogenannten "Atlantic Bubble" zusammengeschlossen. Innerhalb dieser Bubble war es möglich sich frei zu bewegen. Alle Menschen, die jedoch von außerhalb der Bubble Zugang zu dieser wollten, mussten sich für zwei Wochen in Selbstisolation begeben (so wie ich am Anfang meiner Zeit hier). Diese Maßnahmen, und die zahlreichen weiteren Maßnahmen, sorgten dafür, dass die Zahlen so geringgehalten wurden. Durch den Anstieg in Nova Scotia hat sich die Lage in den letzten Tagen jedoch verändert. So haben sich nach und nach die anderen Regionen dazu entschlossen die Blase zu verlassen, sodass die freie Mobilität zwischen den verschiedenen Provinzen nun eingeschränkt ist. 

Diese Maßnahme hatte auch direkte Auswirkungen auf das Leben an unserer Schule. Da wir einige Schüler*innen aus den betroffenen Regionen haben, mussten diese sich dazu entschließen, entweder nach Hause zu fahren und dafür am Unterricht digital teilzunehmen, oder hier an der Schule zu bleiben und dafür aber nicht die Möglichkeit zu haben in den nächsten zwei Wochen ihre Familie zu sehen, da dies bedeuten würde, dass sie sich in Selbstisolation begeben müssten und zunächst nicht wieder an die Schule kommen könnten. Daher sind einige der Schüler auf meinem Flur in den letzten Tagen abgereist und zu ihren Familien gefahren und ich musste mich vorerst von diesen verabschieden. Gelichzeitig habe ich jedoch auch neue Schüler dazu bekommen, welche lieber für zwei Wochen als Internatsschüler die Schule besuchen, anstatt am Unterricht digital von zu Hause teilzunehmen. 

Letzteres zeigte mir ein weiteres Mal, wie viel einzelnen Schüler*innen die Schule hier bedeutet und dass diese weit mehr als nur eine Bildungseinrichtung für diese darstellt. Die Entscheidung, freiwillig von zu Hause für zwei Wochen auszuziehen, nur damit man weiterhin regulär am Unterricht teilnehmen kann, klingt wohl nicht nur in meinen Ohren beim ersten Hören etwas merkwürdig, zeigt jedoch, dass die Schule ein Wohlfühlort für die Schüler*innen darstellt.  

Neben den Schüler*innen unterrichten seit dieser Woche auch einige Lehrkräfte von zu Hause über Zoom, da diese aus Gegenden kommen, in den die Fallzahlen besonders hoch waren, wie z.B. der größten Stadt in Nova Scotia, Halifax. Diese ganzen Änderungen sind an den Schüler*innen, Lehrkräften und allen anderen Personen im Schulumfeld natürlich nicht spurlos vorbeigegangenen. Auf Seiten der Schüler*innen gab es verständlicherweise eine gewisse Sorge und Angst darüber, dass die Zahlen weiter steigen würden und dies zwangsläufig eine Schließung der Schulen bedeuten würde. Ich denke, dass wir davon noch weit entfernt sind, aber dennoch beschäftigt die Schüler*innen dieses Thema sehr. Und natürlich, wie wohl bei jeder anderen Gruppe von Menschen auch, sprechen die Schüler*innen untereinander viel miteinander und dadurch kann dann auch schnell mal ein bisschen Panik entstehen oder auch das ein oder andere Gerücht seine Kreise ziehen. Dies bedeutete daher für uns Lehrkräfte und auch besonders für uns Houseparents viel Zuhören, Mut beipflichten und Beruhigungsarbeit. Obwohl die Schüler*innen mittlerweile die Situation sehr gut aufgenommen haben und wieder ein bisschen Normalität eingekehrt ist, habe ich mal wieder für mich persönlich gemerkt, was einen u.a. an dieser Pandemie so nervt: die Ungewissheit.

Zwar weiß ich generell auf viele Fragen keine Antwort, aber in den letzten Tagen und Wochen hat sich die Antwort "I don't know" dann doch sehr angehäuft. In einer Pandemie muss man wohl einfach damit leben, dass vieles ungewiss ist, aber nervig ist es trotzdem...

Bemerkenswert war für mich jedoch wieder mal das Engagement und der Tatendrang hier an Schule. Anstatt den Kopf hängen zu lassen, hatten wir direkt ein paar Konferenzen mit allen Lehrkräften und innerhalb gab es zahlreiche kreativen Ideen, wie man die nächsten Wochen überstehen kann. Insgesamt ist die Unterstützung unter den Lehrkräften bemerkenswert. So sah man am Mittwoch, nachdem bekannt gegeben wurden ist, dass einige Schüler*innen nun am Unterricht über Zoom teilnehmen werden, so gut wie keinen leeren Klassenraum, indem nicht mindestens eine Lehrkraft anderen Kolleg*innen dabei half, ihren Unterricht ins digitale umzuwandeln. Andere meldeten sich freiwillig im Klassenraum Aufsicht zu geben, währenddessen die Lehrkraft, welche selbst von zu Hause unterrichten muss, der Klasse Instruktionen über Zoom gibt.

Das Wichtigste für mich ist jedoch, und jeden Tag freue ich mich darüber, dass die Schule hier weiterhin Präsenzunterricht anbietet und ich auch die Mehrheit meiner Schüler*innen, da diese Internatsschüler*innen sind, vor Ort unterrichten kann. Obwohl sowohl in den Klassenräumen als auch in allen anderen Schulgebäuden Masken getragen werden und social distancing so gut wie möglich eingehalten wird, finde ich persönlich, dass sich die Routine hier schon so gut eingependelt hat, dass es fast wie neue Normalität wirkt und man sich voll auf das eigentliche Unterrichten und die Interaktionen mit den SuS fokussieren kann. Selbst durch mittelgroße Änderungen, wie die Ereignisse der vergangenen Tage, wurde das Unterrichtsgeschehen auf den Beinen gehalten und läuft so gut wie immer reibungslos ab. 

Was mich dennoch sehr beschäftigt, ist, wie sich die aktuelle Lage auf die Schüler*innen und auch auf die Lehrkräfte auswirkt. So habe ich in den vergangenen Wochen beispielsweise einige Gespräche mit Schülern auf meinem Flur geführt, welche gerne über Weihnachten nach Hause fahren wollten und nun auch werden, sich aber lange unsicher waren, ob sie dies überhaupt machen sollten, da sie Angst haben, dass sie nicht wieder zurück kommen können, falls sich die Lage in ihren Heimatländern oder in Kanada verschlechtert. Auch hier kann man leider keine genaue Aussage oder Prognose geben und ich musste daher meine Schüler damit vertrösten, dass ich ihnen nur Mut zusprechen kann und dass ich hoffe, diese dann im Januar wieder wohl und munter wiederzusehen. Am liebsten würde ich ihnen natürlich die ganzen Strapazen und die Selbstisolation ersparen, aber ich kann sehr gut verstehen, dass die Schüler einfach gerne ihre Familien sehen wollen, um mit diesen die Feiertage zu verbringen. Ich denke, dass diese Pause den meisten Internatsschüler*innen auch sehr guttun wird, da man meiner Meinung nach schon merkt, dass diese so langsam mal wieder ein bisschen Abwechslung vom Schulumfeld brauchen. Obwohl die Schule und wir als Houseparents jedes Wochenende zahlreiche Aktivitäten anbieten, sind die Möglichkeiten dieses Jahr natürlich trotzdem eingeschränkt, sodass bei den Schüler*innen gelegentlich mal Langeweile aufkommt. Ich denke, dass die Winterferien auch für die Lehrkräfte jetzt zur richtigen Zeit kommen, da jeder so langsam müde wird, Schüler*innen täglich mehrmals daran zu erinnern ihre Maske aufzuziehen. Obwohl dies nur eine Kleinigkeit ist, kann die Häufung dieser Kleinigkeiten dann in der Gesamtanzahl auch viel Energie kosten. 

Insgesamt kann ich mich also glücklich darüber schätzen, dass ich weiterhin meiner Tätigkeit, für die ich hier her gekommen bin, nachgehen gehen kann und dass es den Menschen in meinem Umfeld gut geht. Damit dieser Post aber nicht zu eintönig ist, findet ihr jetzt noch ein paar Bilder von meiner letzten Wanderung und außerdem ein Video, das ein Kollege von mir entworfen hat, welches den Schüler*innen beim Lernen helfen soll. Einer der Hauptrollen: moi. 

Hier der Link zum Video  






Action shot vom Badminton Turnier

Simon says: „AHA(AL) Regeln einhalten und passt auf euch auf 😊

Kommentare

  1. Super Video. Du könntest auch noch Schauspieler werden. Ich werde die Tipps zum Lernen auch mal David ans Herz legen. Liebe Grüße on deiner Tante und bleib gesund!!

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